Geständnis 012

Ich war nicht am Steuer

Zersplitterter Außenspiegel eines Autos bei Nacht, im Hintergrund Blaulicht

Der Wagen stand mit der Front im Gartenzaun der Nachbarn, das Rücklicht zersplittert, und ich saß auf dem Beifahrersitz, als die Polizei kam. Ich habe gesagt, ich sei gefahren.

Das stimmte nicht. Meine Schwester war gefahren, nach der Abiparty, mit einem Alkoholpegel, über den wir seitdem nie wieder gesprochen haben. Ich bin fünfzehn und habe keinen Führerschein – daran habe ich in dem Moment nicht klar genug gedacht.

Ich habe gesagt, ich sei kurz gefahren, „nur um zu üben, auf dem leeren Parkplatz“, bevor der Unfall passiert ist. Es war eine schlechte Lüge. Der Polizist hat sie trotzdem nicht weiter hinterfragt, weil meine Schwester zu betrunken war, um irgendetwas klar zu sagen.

Meine Eltern denken bis heute, ihre Tochter sei die Vernünftige, die bei der Party aufgepasst hat, und ihr Sohn habe sich unerlaubt hinters Steuer eines fremden Wagens gesetzt. Ich habe ein halbes Jahr Hausarrest bekommen. Meine Schwester durfte trösten kommen.

Bedankt hat sie sich nie, nicht mit Worten. Aber sie ist seitdem nie wieder gefahren, wenn sie getrunken hat. Ich glaube, das war mein eigentlicher Grund – nicht sie zu schützen vor unseren Eltern, sondern vor sich selbst, ohne dass sie es je so nennen musste.

Manchmal, wenn meine Mutter erzählt, wie stolz sie auf meine Schwester ist, „die einzige Vernünftige in dem Alter“, schaue ich weg. Ich war fünfzehn. Ich wusste nicht, dass eine Lüge sieben Jahre halten kann.

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