Geständnis 013

Die Chorleiterin, die nicht mehr betet

Frau steht allein in einer leeren Kirche, Licht durch bunte Kirchenfenster

Jeden Sonntag stehe ich vor unserem Kirchenchor, hebe die Hände, und fünfundzwanzig Stimmen folgen mir in ein „Amen“, an das ich seit sieben Jahren nicht mehr glaube.

Es ist nicht mit einem Knall passiert. Kein Erlebnis, kein Verlust, der mich „zum Zweifeln“ gebracht hätte, wie es die anderen im Gemeindekreis manchmal vorsichtig fragen. Es ist einfach, Jahr für Jahr, leiser geworden, bis nichts mehr da war.

Ich singe die Texte noch mit ganzem Herzen. Ich liebe die Musik, die Gemeinschaft, die Art, wie sich fünfundzwanzig Menschen in einem Akkord finden. Das ist echt. Nur das, woran ich früher geglaubt habe – dass es an etwas gerichtet ist –, das ist irgendwann verschwunden.

Mein Mann weiß es nicht. Meine Kinder, die selbst nicht mehr in die Kirche gehen, würden es vermutlich verstehen, aber ich habe Angst, dass es für meine Mutter, die neunzig ist und jeden Sonntag in der ersten Reihe sitzt, etwas zerstören würde, das ihr wichtiger ist als fast alles andere.

Nach dem Gottesdienst schütteln mir die Leute die Hand und sagen, wie sehr sie meinen Glauben bewundern, wie sehr er sie selbst trägt. Ich lächle und bedanke mich. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich das schon getan habe.

Manchmal, wenn der letzte Ton verklungen ist und die Kirche leer wird, bleibe ich noch einen Moment sitzen. Nicht um zu beten. Nur um in der Stille zu sein, die früher etwas bedeutet hat und die jetzt einfach nur Stille ist – und das reicht mir inzwischen fast.

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