Als die Hebamme mir meine Tochter auf die Brust legte, habe ich gelächelt, geweint, alles richtig gemacht für die Kamera meines Mannes. Aber das Gefühl, von dem alle reden – dieses sofortige, überwältigende „Das ist mein Kind, ich würde für sie sterben“ – kam nicht.
Ich habe drei Wochen gebraucht, um mir das selbst einzugestehen. Ich habe sie versorgt, gestillt, nachts aufgestanden, alles pflichtbewusst und richtig. Aber ich habe sie angesehen wie ein Baby, das man mir zur Aufbewahrung gegeben hat, nicht wie meins.
In der Wochenbett-Gruppe, in der ich Mitglied bin, schreiben die anderen Dinge wie „größte Liebe meines Lebens“ unter jedes Foto. Ich schreibe auch solche Sätze. Ich habe gelernt, wie man sie schreibt.
Meine Mutter hat mir mal erzählt, bei mir sei es auch nicht sofort gewesen, „das kommt schon noch, mach dir keine Sorgen“. Ich habe seitdem darauf gewartet. Meine Tochter ist jetzt vierzehn Monate alt.
Es kam. Langsamer, als alle sagen, und anders. Nicht wie ein Blitz, sondern wie etwas, das sich über Monate in mir eingenistet hat, ohne dass ich den Moment benennen könnte, an dem es passiert ist.
Aber die Monate dazwischen – die habe ich nie jemandem erzählt. Nicht meinem Mann, nicht meiner Mutter, nicht der Gruppe. Ich habe Angst, dass mich jemand für das verurteilt, was ich in den ersten Wochen nicht gefühlt habe, obwohl ich alles richtig gemacht habe.
Manchmal, wenn sie schläft, sitze ich neben ihrem Bett und übe im Kopf, wie ich es sagen würde. Ich habe die Worte noch nie laut ausgesprochen.

